Der Deutschlandflug ist das größte und traditionsreichste Motorflugevent in Deutschland, welches alle zwei Jahre und somit immer abwechselnd mit der Deutschen Meisterschaft im Navigationsflug stattfindet. Seine Wurzeln reichen bis ins Jahr 1911 zurück und seither treffen sich die Navigationsflug-Enthusiasten regelmäßig, um dieses einzigartige Event zu erleben. Im Jahr 2011 feierte der Deutschlandflug seinen 100. Geburtstag mit 123 teilnehmenden Flugzeugen.
In den zwei Gruppen – Wettbewerb und Touring – nehmen eine Vielzahl an Pilotinnen und Piloten aus ganz Deutschland und den Nachbarländern teil. Eine Crew besteht in der Regel aus bis zu zwei Personen: Pilot(in) und Navigator(in). Zusammen lösen sie die Aufgaben, welche es auf dem Deutschlandflug zu bewältigen gibt. Fester Bestandteil in der Wettbewerbsgruppe ist ein Navigationsflugwettbewerb, bei dem die Teilnehmenden im Rallyeflug gegeneinander antreten. In der Touringgruppe hingegen steht die gemeinsame Reise ohne Wettbewerbsdruck im Vordergrund. Die Touringgruppe und Wettbewerbsgruppe starten am selben Flugplatz und steuern dann in den kommenden Tagen verschiedene Flugplätze an – die letzte Etappe führt die beiden Gruppen wieder zusammen an den Zielflugplatz.

Zum Deutschlandflug gehört mehr als nur das Fliegen! Nicht nur im Rahmen der Auftakt- und Abschlussveranstaltung, sondern auch bei weiteren Aktivitäten an den anderen Tagen wird der Kontakt in der Fliegergemeinschaft gepflegt. Spannende Ausflüge außerhalb der Fliegerei, wie zum Beispiel eine Tour ins Bergwerk, das man zuvor noch überflogen hat, oder ein Abendessen in einer Stadt, die man vorher noch nie besucht hat, bieten eine gute Gelegenheit mit den vielen Fliegerfreunden ins Gespräch zu kommen.

Foto: Tom Illgner

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Wettbewerbsgruppe und Touringgruppe: Was ist der Unterschied?
Zwei Gruppen – ein Deutschlandflug! Eines haben sie auf jeden Fall gemeinsam: den Spaß am Fliegen und das gemeinsame Miteinander! Doch was unterscheidet die Gruppen voneinander?
Im Vergleich zur Wettbewerbsgruppe gibt es in der Touringgruppe weniger strikte Regeln. Für teilnehmenden Crews der Touringgruppe ist der Deutschlandflug vielmehr eine gemeinsame geführte Reise durch Deutschland als ein Wettbewerb. Perfekt für alle, die mal neue Gegenden erkunden möchte und Freude am Austausch mit weiteren Flugbegeisterten haben. Ohne den Wettbewerbsanteil geht es hier vor allem darum die schöne landschaftliche Strecke zu genießen und jeden Tag gemeinsam neue Ecken Deutschlands aus der Luft zu bestaunen.

Foto: navgeeks

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Bei gemeinschaftlichen Ausflügen im Anschluss an die Flüge, wie z.B. einem Wein-Tasting in einem vorher überflogenen Weinberg, lernt man nebenbei noch Fliegerkollegen aus ganz Deutschland kennen. Langweilig wird es also nicht! Durch kleine Herausforderungen, wie z.B. den gewerteten Eierlauf, kommt auch in der Touringgruppe ein bisschen Wettbewerbsgeist auf.

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Bei der Wettbewerbsgruppe hingegen gibt es darüber hinaus noch weitere Herausforderungen zu meistern. Die Flüge sind eine Art Rallyeflug und werden bewertet. Am Ende gibt es hier einen Gewinner – das Team mit den wenigsten Strafpunkten. Täglich steuern die Crews einen neuen Flugplatz an und müssen dabei auf dem Flug mehrere Aufgaben lösen und feste Regeln einhalten.
So läuft ein Wettbewerbsflug beim Deutschlandflug ab
Strecke: Beim Rallyeflug, wie er beim Deutschlandflug durchgeführt wird, geht es nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen. Daher ist die Strecke auch nicht gradlinig, sondern beinhaltet mehrere Wendepunkte – in der Regel 10 Stück. Dazu kommen noch Start- und Endpunkt in der Nähe der Start- und Zielflugplätze. Als Wendepunkte dienen dabei markante landschaftliche Punkte, wie Straßenkreuzungen, Kirchtürme oder Bahnhöfe. Diese Strecke suchen sich die Teilnehmer jedoch nicht selbst aus, sondern bekommen sie erst kurz vor der geplanten Abflugzeit ausgehändigt. Die Teilnehmer haben dann circa eine Stunde Zeit, um sich und ihre Karten für den Flug vorzubereiten.

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Umschlag: Wie oben erwähnt, bekommen die Teilnehmer erst kurz vor dem Abflug die zu fliegende Strecke. Das ist aber nicht alles: Die Crews bekommen einen ganzen Umschlag überreicht. Dieser beinhaltet folgendes: Flugplan, Karten mit eingezeichneter Strecke und allen Wendepunkten, An-/Abflugkarten der Flugplätze, Streckenbilder und Wendepunktbilder. Wofür was benutzt wird, wird im Laufe des Artikels erklärt.
Genauigkeit im Flug: Jede Crew gibt vor Start des Deutschlandfluges die gewünschte Fluggeschwindigkeit an, die sie im Wettbewerb fliegen möchten. Hier ist langsam häufig besser als schnell: Wer sich mehr Zeit nimmt, erkennt mehr Details in der Landschaft und kann präziser navigieren. Die Teilnehmer werden anhand ihrer Geschwindigkeit vom schnellsten zum langsamsten Team gestaffelt und starten auch in dieser Reihenfolge – im Takt von 2 Minuten. Auf dem Flugdurchführungsplan, der mit dem Umschlag ausgehändigt wird, ist der für die Flugstrecke zu erwartende Wind bereits eingerechnet und die sekundengenauen Überflugzeiten für alle Streckenpunkte vorgegeben. Dort beginnt auch die erste Schwierigkeit: Start- und Endpunkt, sowie alle Wendepunkte auf der Strecke müssen mit äußerster Genauigkeit überflogen werden. Nicht nur müssen die Punkte präzise getroffen werden – was mit Hilfe eines GPS-Trackers überprüft wird – sondern es erfordert auch perfektes Timing! Die Wendepunkte müssen sekundengenau überflogen werden, um keine Strafpunkte zu bekommen. Wartekreise sind dabei nicht erlaubt, denn jede Kursabweichung größer als 90° wird mit Strafpunkten geahndet.
Wendepunktbilder: Ebenfalls im Umschlag enthalten ist ein Bogen mit Fotos der Wendepunkte aus der Luftperspektive. Die Aufgabe: Herausfinden, ob das Bild auch tatsächlich zum angegebenen Punkt passt. „Ist es wirklich die Brücke von Wendepunkt 5 auf dem Foto WP5 oder ist es eine ganz andere Brücke?“ Hier gilt es also, die Bilder mit „richtig“ oder „falsch“ zu bewerten. Für falsche oder fehlende Antworten gibt es Strafpunkte.

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Streckenbilder: Neben den Wendepunktbilder, denen bereits ein fester Standort zugeordnet ist, gibt es noch die Streckenbilder. Diese liegen verteilt auf der Strecke und müssen während des Fluges gefunden werden. In der Regel sind es 24 Bilder, die auf 3 Bögen (z.B. Start bis WP4, WP4 bis WP8, WP8 bis Ziel) aufgeteilt sind. Im Flug markiert man sich diese Fotos dann meistens in der Karte – zur Abgabe muss aber die Distanz zum vorherigen Wendepunkt im Lösungsbogen angegeben sein. Auch hier gilt: Für falsche oder fehlende Angaben gibt es Strafpunkte.
Präzisionslandung: Nach dem Flug muss am Zielflugplatz eine präzise Landung durchgeführt werden. Dabei muss vor allem der Pilot bzw. Pilotin noch einmal volle Konzentration zeigen. Bei der Landung im Zielfeld gibt es verschiedene Bereiche, die mit unterschiedlicher Anzahl an Strafpunkten belegt sind. Zur Auswertung werden die Landungen in der Regel gefilmt, um anschließend in Zeitlupe zentimetergenau zu sehen, in welchem Feld das Flugzeug aufgesetzt hat.

Foto: Tom Illgner

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Lösungsbogen: Mit der Landung ist die Aufgabe noch nicht beendet. Zurück am Boden muss der Lösungsbogen schnellstmöglich ausgefüllt werden. Denn auch für diese Abgabe gibt es eine Zeitvorgabe, welche auf dem Flugplan angegeben ist. Zusammen mit dem GPS-Logger geht der Lösungsbogen in einem Umschlag an das Orga- und Schiedsrichterteam.
Die Ergebnisse der Flüge werden täglich veröffentlich und am Ende zu einer Gesamtwertung addiert. Das Team mit den wenigsten Strafpunkten gewinnt! Neben der allgemeinen Wertung in der Wettbewerbsklasse gibt es auch noch eine Reihe an zusätzlichen Wertungen wie z.B. eine Jugendwertung.
Tradition Deutschlandflug: Vergangenheit und Chronik
Der Deutschlandflug blickt auf eine lange Tradition zurück und fand im Jahr 1911 zum ersten Mal statt. Nur acht Jahre nachdem die Gebrüder Wright zum ersten Motorflug der Geschichte aufbrachen. Damals war der Deutschlandflug eine harte abenteuerliche Probe für Mensch und Maschine: Die noch jungen Flugmotoren waren anfällig und die Pilotinnen und Piloten hatten wenig Erfahrung im Überlandflug.
Über die Jahre hat sich viel geändert: Heutzutage – mehr als 100 Jahre später – ist die Technik ausgereift, die Flieger sind mit modernster Technologie ausgestattet und die Pilotinnen und Piloten greifen auf eine hochwertige Ausbildung zurück. Wie genau sich der Deutschlandflug über die Jahre entwickelt hat, kann in der ausführlichen Chronik des Deutschlandfluges nachgelesen werden, welche Renate Heege in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt hat:
Die ausführliche Chronik des Deutschlandflug
Siegerliste des Deutschlandflug (1911-2025)
FAQ
Wann findet der Deutschlandflug statt?
Der Deutschlandflug findet alle zwei Jahre statt. Immer im Wechsel mit der ebenfalls zweijährig stattfindenden Deutschen Meisterschaft im Navigationsflug. Der nächste Deutschlandflug wird im Jahr 2027 stattfinden.
Gibt es Förderprogramme für die Teilnahme am Deutschlandflug?
Ja, es gibt zum Beispiel die Fördermöglichkeit für junge Luftsportlerinnen und Luftsportler. Der Deutsche Aero Club (DAeC) fördert jährlich drei Jugendcrews (bis 27 Jahren) mit jeweils 1.500 Euro, um ihnen den Einstieg in den Navigationsflug zu ermöglichen und die Teilnahme am Deutschlandflug zu erleichtern. Die Ausschreibung erfolgt im Vorfeld separat.
Zusätzlich vergibt die Vereinigung Deutscher Pilotinnen (VDP) eine Förderung von bis zu 1.500 Euro an weibliche Crews: 1.000 Euro erhält die VDP-Pilotin, die in der Wettbewerbsklasse des Deutschlandflugs startet (egal ob Motorflug, UL, TMG), und weitere 500 Euro, wenn die Co-Pilotin ebenfalls VDP-Mitglied ist.
Beide Programme sollen Nachwuchs fördern und die Teilnahme an diesem traditionsreichen Wettbewerb attraktiver machen.
Wie lange dauert der Deutschlandflug?
In der Regel besteht der Deutschlandflug aus drei Wertungstagen und jeweils einem Tag für An- und Abreise. Somit sind es also insgesamt 5 Tage. Am ersten Tag reisen alle Teilnehmer von ihrem Heimatflugplatz zum Startflugplatz an. An den folgenden drei Tagen fliegen die Wettbewerbs- und Touringgruppe quer durch Deutschland und kommen am dritten Flugtag gemeinsam am Zielflugplatz an. Es folgt die Abschlussveranstaltung inklusive Siegerehrung. Am nächsten und letzten Tag reisen die Teilnehmer eigenständig zu ihrem Heimatflugplatz ab.
Ist der Deutschlandflug ein Rennen?
Nein, der Deutschlandflug ist kein Rennen. Vielmehr geht es um Genauigkeit und Geschick. In der Tat ist es ratsam möglichst langsam zu fliegen, um mehr Zeit für die Identifizierung der Streckenbilder zu haben.
Wie kann ich mich auf die Teilnahme am Deutschlandflug vorbereiten?
Der DAeC bietet regelmäßig Einführungskurse in den Navigationsflug an. Unsere Videos zum Deutschlandflug liefern auch wertvolle Impressionen vom Event. Darüber hinaus gibt es auf der Website der NAVGEEKS praktische Tools und Downloads zur Vorbereitung. Wer sich mal eine Aufgabe des Deutschlandflugs anschauen möchte, bei unseren Beispielaufgaben fündig.
Mit welchen Flugzeugen kann man am Deutschlandflug teilnehmen?
In der Wettbewerbsgruppe kann mit Motorflugzeugen (Echo-Klasse), Motorseglern und Ultraleichtflugzeugen teilgenommen werden. In der Touringgruppe ist alles erlaubt: Hier darf auch mit Hubschraubern und zweimotorigen Flugzeugen teilgenommen werden.
Wie unterscheiden sich Rallyeflug vom Deutschlandflug?
Der Deutschlandflug ist ein Rallyeflug! Beziehungsweise besteht der Deutschlandflug aus drei Rallyeflügen. Die Regeln weichen dabei minimal voneinander ab: Beim Deutschlandflug ist die Route bereits auf der ausgegebenen Karte eingezeichnet und in der Regel erhält man auch etwas mehr Vorbereitungszeit. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Rallyeflugwettbewerb, welcher in der Regel am selben Flugplatz startet und endet, fliegt man dabei jeden Tag an einen neuen Flugplatz und legt somit eine Strecke quer durch Deutschland zurück. Beim Deutschlandflug geht es nicht nur um den Wettbewerb, sondern auch um das gemeinsame Beieinander.
