
Mit seiner 60. Auflage hat der Internationale Allgäuflug erneut gezeigt, warum er zu den wichtigsten regionalen Navigationsflugevents im deutschsprachigen Raum zählt. 37 Crews aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen vom 04. bis 07.06.2026 nach Leutkirch-Unterzeil (EDNL), darunter erfreuliche 18 Newcomer-Crews und sogar mehrere jugendliche Besatzungen. Drei Tage lang standen Navigation, Präzision, Teamgeist und gelebte Fliegergemeinschaft im Mittelpunkt.
Der Allgäuflug ist längst mehr als ein klassischer Rallyeflug. Er ist zugleich Wettbewerb, Training, Begegnung und Nachwuchsförderung. Gerade zum Jubiläum gelang der Fliegergruppe Leutkirch ein Format, das erfahrene Crews forderte und Einsteiger an die Faszination des Navigationsflugs heranführte.
Ein Vorgeschmack auf den Wettbewerb
Los ging es am Donnerstag mit der offenen ANR-Vereinsmeisterschaft. Damit bot sich bereits zum Auftakt die Gelegenheit, in eine weitere moderne Disziplin des Navigationsflugs hineinzuschnuppern. Für viele war es der ideale Einstieg in ein langes Wochenende, bei dem nicht nur die fliegerische Leistung, sondern auch das gemeinsame Lernen im Vordergrund standen.
Am Freitag folgte die Trainingsroute. Sie war besonders für die Newcomer wichtig, denn sie gab einen realistischen Vorgeschmack auf den eigentlichen Wettbewerbstag: Kartenarbeit, Zeitplanung, Wendepunkte, Beobachtungsaufgaben und der Umgang mit dem eigenen Workload im Cockpit. Wer zum ersten Mal bei einem Rallyeflug am Start war, bekam hier die Chance, Routine aufzubauen und offene Fragen vor dem großen Tag zu klären.


Zwei Strecken, eine Zwischenlandung, viele Aufgaben
Am Samstag wurde es ernst. Zum Jubiläum hatte die Wettbewerbsleitung eine anspruchsvolle Streckenführung vorbereitet, die den Crews einiges abverlangte. Die erste Route führte von Leutkirch-Unterzeil (EDNL) nach Biberach an der Riß (EDMB). Auf 83 NM waren zwölf Wendepunkte zu finden; die Strecke verlief westlich um Mengen herum und endete vorerst mit einer Zwischenlandung.



Die dort vorgesehene Präzisionslandung konnte aufgrund der auffrischen Windbedingungen leider nicht gewertet werden. Dem positiven Eindruck tat das keinen Abbruch: Der Aufenthalt in EDMB wurde durch die sehr gute Verpflegung und den überaus freundlichen Empfang des LSV Biberach versüßt. Für viele Crews war die Pause zudem eine willkommene Gelegenheit zum Austausch, bevor es in die zweite Etappe ging.
Von Biberach zurück nach Leutkirch warteten weitere 74 NM mit 13 Wendepunkten. Die Route führte nördlich an Laupheim und östlich an Illertissen vorbei, ehe sie zurück nach EDNL führte. Eine besondere Herausforderung waren dabei fünf Bodenzeichen, die zusätzlich zur reinen Navigation gefunden und korrekt dokumentiert werden mussten. Damit erforderte der Rückflug erneut volle Konzentration von Pilotinnen, Piloten und Navigatorinnen bzw. Navigatoren. Trotz des Windes konnten die Präzisionslandungen auf dem Flugplatz in Leutkirch durchgeführt werden.



Anspruchsvoll, aber sauber organisiert
Insgesamt war der 60. Internationale Allgäuflug ein anspruchsvoller Wettbewerb. Gerade die Kombination aus zwei Strecken, Zwischenlandung, Wendepunkten, Beobachtungsaufgaben und Bodenzeichen forderte die Crews bis zum Schluss. Dass der fliegerische Ablauf dennoch reibungslos funktionierte, lag an der eingespielten Koordination des Orga-Teams.
Die vielen Helferinnen und Helfer am Boden, die Wettbewerbsleitung, die Auswertung, die Flugplatzorganisation und die Unterstützung des LSV Biberach sorgten dafür, dass aus einer komplexen Aufgabe ein runder Wettbewerbstag wurde. Genau darin liegt eine der großen Stärken des Allgäuflugs: Er verbindet sportlichen Anspruch mit einer Atmosphäre, in der auch neue Crews willkommen sind und schnell Teil der Gemeinschaft werden.
Gerade die starke Beteiligung der Newcomer war eines der erfreulichsten Signale dieses Jubiläums. 18 neue Crews zeigen, dass der Navigationsflug lebt und weiterhin Nachwuchs anzieht – auch über Vereins- und Landesgrenzen hinweg.


Schwäbisches Buffet, Tombola und Fliegergemeinschaft
Am Samstagabend wurde der Hangar der Flugwerft Leutkirch wieder zum Treffpunkt der gesamten „Allgäuflug-Familie“. Nach dem sportlichen Teil folgte der gesellige Höhepunkt: ein besonderes schwäbisches Buffet, gefolgt von der traditionellen Tombola, bei der auch in diesem Jahr hochwertige Preise verlost wurden. Pokale, Preise und Platzierungen waren wichtig und wir gratulieren allen Teilnehmenden zu ihren Leistungen. Doch mindestens ebenso prägend waren die Gespräche, das gemeinsame Lachen und die Freude daran, Teil dieser Veranstaltung zu sein.



| Gesamtplatzierung | Crew | Kategorie | Flugzeug | Gesamt Strafpunkte |
| 1 | Robin Shearer, Oliver Meindl | Unlimited | Cessna 150 | 554 |
| 2 | Marcus Ciesielski, Astrid Ciesielski | Unlimited | Cessna 172 | 615 |
| 3 | Bernd Ankenbrand, Frank Kreuzberger | Advanced | P92 Echo | 954 |
| 4 | Esther Rimensberger (solo) | Unlimited | Cessna 152 | 990 |
| 5 | Uwe Semisch, Felix Semisch | Advanced | Cessna 172 | 1145 |
| 6 | Sven Seidel, Stephanie Seidel | Newcomer | Groppo G70 | 1217 |
| 7 | Walter Dworschak, Lukasz Galusinski | Advanced | Cessna 172 | 1310 |
| 7 | Martin Klerner, Peter Renner | Advanced | Zlin Savage | 1310 |
| 14 | Peter Leineweber, Carla Peters | Newcomer | ASK 16 | 1760 |
| 16 | Martina Bayer, Friedrich Prieler | Newcomer | Cessna 182 | 1837 |
Ein besonderer Dank gilt der Fliegergruppe Leutkirch für ihren unermüdlichen Einsatz. Jahr für Jahr schafft sie es, aus einem sportlichen Wettbewerb ein Fliegerwochenende mit besonderer Strahlkraft zu machen. Der Allgäuflug zeigt, wie eine moderne motorisierte Fluggemeinschaft aussehen kann: offen, innovativ und gastfreundlich.
Vorfreude auf den 61. Internationalen Allgäuflug
Der 60. Internationale Allgäuflug war ein würdiges Jubiläum. Er hat erfahrene Crews gefordert, Newcomer begeistert, junge Teams eingebunden und einmal mehr bewiesen, welche Bedeutung regionale Navigationsflugevents für den Luftsport haben. Der Allgäuflug bleibt ein Fixpunkt im Kalender: Nicht nur für Crews aus Deutschland, sondern für Fliegerinnen und Flieger aus dem gesamten DACH-Raum.
Nach diesem Jubiläum ist die Vorfreude auf die nächste Ausgabe bereits groß. Wir freuen uns auf den 61. Internationalen Allgäuflug.

Bilder: Tom Illgner, Heinz Mauch
