Vom 15.07. bis 19.07.2026 wurde der Verkehrslandeplatz nur eineinhalb Monate nach der Ausrichtung einer Segelflugmeisterschaft zum Veranstaltungsort der 32. Offenen Deutschen Meisterschaft im Rallyeflug. Carla Peters und Peter Leineweber waren als von der Bundeskommission Motorflug geförderte Jugendcrew dabei. Von ihrem tollen fliegerischen Entwicklungspfad – weg vom Tablet und hin zur komplett autarken Papierkartennavigation – berichten sie uns in diesem Beitrag.
Etwa ein Jahr ist es her, dass wir beim Deutschlandflug 2025 erstmals in die Welt des Navigationsflugs eingetaucht sind. Damals starteten wir als absolute Neulinge in der Newcomer-Kategorie und durften noch ein Tablet zur Unterstützung bei der Navigation nutzen. Wir sind Peter Leineweber und Carla Peters von der Luftsportgemeinschaft Steinfurt. Seit diesen ersten Erfahrungen waren wir bei der Deutschen Meisterschaft im Air Navigation Race 2025 in Marpingen und beim Allgäuflug 2026 dabei, haben viele Menschen aus der Navigationsflug-Community kennengelernt und dabei immer mehr Freude an dieser besonderen Art des Fliegens gefunden.

Ultraleichtflugkommission des Aeroclub NRW.


Nun wartete die nächste Herausforderung auf uns: die 32. Offene Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug in Zwickau. Es war nach dem Allgäuflug unser zweiter Rallyeflug überhaupt. Für uns stand fest: Newcomer waren wir lange genug. Dieses Mal traten wir in der Advanced-Kategorie an (vielleicht auch durch etwas Motivation seitens der Wettbewerbsleitung). Damit verbunden waren auch der Verzicht auf den prüfenden Blick auf das Tablet während der Navigation sowie eine anspruchsvollere Flugvorbereitung mit selbst zu konstruierenden Routen und weniger Vorbereitungszeit.
Am Mittwoch, dem 15. Juli, starteten wir mit unserer ASK 16, der D-KITY, in Borghorst-Füchten. Bei schönem Wetter kamen wir gut durch und erreichten Zwickau nach rund zweieinhalb Stunden Flugzeit. Natürlich waren wir schon etwas aufgeregt. Gleichzeitig freuten wir uns sehr darauf, viele bekannte Gesichter aus vergangenen Navigationsflugevents wiederzusehen. Dieses Wiedersehen gehört für uns inzwischen genauso zu den Veranstaltungen wie das Fliegen selbst. Da wir erst abends ankamen, konnten wir die Trainingsstrecke vor Ort leider nicht mehr absolvieren. Ganz unvorbereitet waren wir jedoch nicht: Bereits zuvor hatten wir an unserem Heimatflugplatz eine nahegelegene Route eines ehemaligen Deutschlandflugs abgeflogen und dadurch ein gutes Gefühl gehabt. Trotzdem wäre es hilfreich gewesen, die Umgebung rund um Zwickau bereits aus der Luft kennenzulernen. Beim Rallyeflug orientiert man sich stark an Bodenmerkmalen und sucht entlang der Strecke nach Bildern und Zeichen. Eine unbekannte Landschaft macht die Aufgabe daher noch einmal anspruchsvoller und zugleich spannender.


Der erste große Unterschied zum Deutschlandflug zeigte sich bereits am ersten Wertungstag bei der Vorbereitung. Als Newcomer hatten wir bisher eine bereits eingezeichnete Strecke erhalten. In der Advanced-Kategorie mussten wir dieses Mal unsere Route selbst konstruieren. Auf der Karte war zunächst nur der Flugplatz Zwickau als Take-off Point eingezeichnet. Den Start Point, den Final Point und rund zehn weitere Wendepunkte mussten wir anhand von Koordinaten, Entfernungen und Richtungsangaben selbst bestimmen. Dafür arbeiteten wir mit einem Navigationsdreieck und Minutenlinealen. Anschließend zeichneten wir die Kurse und Zeitmarkierungen entlang der Strecke ein. Eine Route enthielt sogar einen Kreisbogen, bei dem sich der zu fliegende Kurs kontinuierlich veränderte; ohne Zirkel als Konstruktionsmittel wäre das nicht möglich gewesen. Für jeden zu konstruierenden Wegpunkt standen uns bei den Wertungsflügen nur drei Minuten zur Verfügung. Danach blieben weitere 15 Minuten, um das Flugzeug vom Abstellplatz bis zur Startbahn zu bringen. An eine ruhige Planung in der Halle war daher nicht zu denken. Stattdessen breiteten wir unsere Karte auf der Tragfläche der ASK 16 aus und arbeiteten konzentriert gegen die Uhr. Das Plotten machte die Vorbereitung deutlich anspruchsvoller, aber gerade diese Aufgabe bereitete uns viel Spaß. Aus einzelnen Angaben entstand Schritt für Schritt eine vollständige Route, und wenn am Ende alle Punkte zusammenpassten, war das jedes Mal ein kleines Erfolgserlebnis.
Weil das Plotten für uns noch neu war, blieb anfangs weniger Zeit, um die Streckenbilder vorab zu sichten und bereits am Boden auf der Karte möglichen Streckenabschnitten zuzuordnen. Selbst beim Rollen und beim Start suchte Carla als Navigatorin weiter, während Peter als Pilot das Flugzeug flog. Das erste Mal richtig von der Karte aufgeschaut hatte sie somit erst etwa fünf nautische Meilen hinter dem Starting Point, denn ab dort konnten die Streckenbilder erst auftauchen. Von Flug zu Flug wurden wir jedoch schneller. Die Arbeitsschritte wurden vertrauter, unsere Aufgabenteilung klarer und die Vorbereitung insgesamt routinierter. Diese Entwicklung innerhalb weniger Tage direkt zu bemerken, war ein richtig gutes Gefühl.


Die größte Veränderung war für uns das Fliegen ohne digitale Orientierungshilfe. Davor hatten wir großen Respekt. Beim Deutschlandflug konnten wir unsere Position jederzeit auf dem Tablet überprüfen. Bei der offenen Deutschen Meisterschaft in Zwickau mussten wir uns vollständig auf unsere Karte, die Landschaft, den Kompass, die Stoppuhr und unsere Zusammenarbeit verlassen, wenngleich das Tablet natürlich für den Worst Case in der Tasche dabei war. Umso schöner war der Moment, als wir auf der ersten Strecke merkten, dass die Orientierung erstaunlich gut funktionierte. Straßen, Ortschaften, Waldstücke und andere markante Geländemerkmale ließen sich auf der Karte wiederfinden. Jeder erkannte Punkt bestätigte uns, dass unsere Planung stimmte und wir auf dem richtigen Weg waren. Ohne den Blick auf einen Bildschirm fühlte sich die Navigation viel unmittelbarer an. Wir beschäftigten uns intensiver mit der Landschaft und merkten, dass wir auf unsere eigenen Fähigkeiten vertrauen konnten. Das Tablet wegzulassen war daher nicht nur eine zusätzliche Schwierigkeit, sondern vor allem ein großer Entwicklungsschritt. Nach dem ersten Wertungsflug wussten wir: Wir können eine Wettbewerbsstrecke auch ohne digitale Positionsanzeige bewältigen und sicher am Zielort ankommen.
Die Orientierung war allerdings nur ein Teil der Aufgabe. Uns wurde klar, wie viel im Cockpit parallel bei uns als Crew passieren muss: Kurs und Zeit kontrollieren, die Landschaft mit der Karte abgleichen, Wendepunkte erkennen und zusätzlich nach Streckenbildern und kleinen Bodenzeichen suchen. Für unseren zweiten Rallyeflugwettbewerb überhaupt gab es eine Menge zu tun. Während die Navigation überraschend gut funktionierte, bereitete uns die Bildersuche deutlich mehr Schwierigkeiten. Die Bodenzeichen fanden wir gar nicht, und auch bei den Streckenfotos sammelten wir einige Strafpunkte. Genau hier liegt für uns noch viel Potenzial für die nächsten Wettbewerbe. Unser zweiter Wertungsflug wurde, gerechnet nach Strafpunkten, zu unserem Besten. Die Vorbereitung verlief bereits routinierter, die Navigationsstrafpunkte waren geringer, und auch die am Ende des Fluges durchzuführende Präzisionslandung gelang besser als beim ersten Flug.


Auf dem dritten Flug verflogen wir uns gegen Ende kurz. Ohne Tablet gibt es in einem solchen Moment keinen Bildschirm, der sofort den Weg zurück zur Route zeigt. Trotzdem blieben wir ruhig, verglichen gemeinsam Karte und Landschaft und arbeiteten strukturiert an einer Lösung, wodurch wir nach kurzer Zeit wieder auf Kurs waren. Der Fehler kostete uns zwar Punkte, zeigt zugleich aber, wie gut wir inzwischen als Team zusammenarbeiten. Gerade wenn nicht alles nach Plan läuft, ist es wichtig, ruhig zu bleiben, klar zu kommunizieren und gemeinsam die Orientierung zurückzugewinnen.
Am Ende erreichten wir den zweiten Platz in der Advanced-Kategorie. Die Platzierung war für uns deshalb weniger wichtig als das, was wir während der Meisterschaft gelernt hatten. Wir hatten erstmals eigene Wettbewerbsrouten konstruiert, unter gewissen Zeitdruck gearbeitet und drei Strecken ohne digitale Navigationshilfe bewältigt. Von Flug zu Flug wurden unsere Abläufe sicherer, und wir merkten deutlich, wie viel wir in einem Jahr fliegerisch dazugelernt hatten. Vor allem hatten wir dabei jede Menge Spaß und viele Aha-Momente. Nach jedem Flug gab es etwas, worüber wir uns freuen, lachen oder das wir beim nächsten Mal verbessern konnten.


Mindestens genauso wichtig wie der Wettbewerb war für uns die Community. Schon bei der Ankunft wurden wir von vielen bekannten Gesichtern herzlich begrüßt. Die gemeinsamen Abende boten viel Zeit für Gespräche und den Erfahrungsaustausch. Besonders schön war der Grillabend am Freitag. Nach den Wertungsflügen konnten wir zusammensitzen, die Erlebnisse des Tages besprechen und uns den einen oder anderen Tipp von den erfahreneren Crews holen. Wir erlebten viel Unterstützung und Offenheit. Fragen wurden gerne beantwortet und Erfahrungen geteilt. Gerade für uns als noch relativ junge Crew ist diese Atmosphäre unglaublich motivierend. Außerdem lernten wir das zweite geförderte Jugendteam mit Leon und Tim aus Koblenz kennen. Wir hoffen sehr, die beiden bei vielen weiteren Navigationsflugveranstaltungen wiederzutreffen.



Am Samstag fand keine weitere Wertung statt. Dafür wartete noch ein besonderes Erlebnis auf uns: Gemeinsam mit der D-EHUZ und der D-EMSM starteten wir zu einem Formationsflug, bei dem Fotos der Flugzeuge in der Luft aufgenommen wurden. Gemeinsam mit den anderen Flugzeugen unterwegs zu sein war ein wunderschöner Abschluss der Woche. Dieser Flug hatte zwar nichts mehr mit Wendepunkten oder Strafpunkten zu tun, gehört aber trotzdem zu unseren schönsten Erinnerungen an die Meisterschaft. Am Samstagabend machten wir uns schließlich auf den Heimweg; mit vielen neuen Erfahrungen, schönen Begegnungen und großer Vorfreude auf alles, was noch kommt.
Vor einem Jahr wussten wir beim Deutschlandflug noch nicht genau, was uns im Navigationsflug erwarten würde. Inzwischen haben wir mehrere Veranstaltungen besucht, viele Menschen wiedergetroffen und uns immer neuen Herausforderungen gestellt. Die Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug war für uns ein besonderer Meilenstein. Das erste Mal ohne Tablet zu fliegen und die Route selbst zu konstruieren, hatte uns zuvor Respekt eingeflößt. Am Ende war es aber genau diese Herausforderung, die uns viel Freude und Vertrauen in unsere Fähigkeiten gab. Wir wissen nun, dass wir uns auch ohne digitale Hilfe orientieren können. Wir haben gelernt, unter Zeitdruck eine Route vorzubereiten und auch in schwierigen Situationen als Team ruhig und strukturiert zusammenzuarbeiten. Natürlich gibt es noch viel zu verbessern, aber genau darauf freuen wir uns. Es gibt noch so viel zu lernen und auszuprobieren.


Eines steht für uns fest: Der Navigationsflug wird uns so schnell nicht wieder loslassen. Wir freuen uns schon auf die nächsten Veranstaltungen, neue Herausforderungen und darauf, immer weiter in diese tolle Community hineinzuwachsen.
Unser herzlicher Dank gilt der Bundeskommission Motorflug für die Jugendförderung, den Organisatorinnen und Organisatoren in Zwickau sowie allen Crews, die uns unterstützt und ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben. Ein besonderer Dank gilt dem Aero-Club Zwickau, der sich mit viel Engagement ganz abseits der sportlichen Herausforderung um ein einzigartiges Erlebnis an seinem wunderschönen Flugplatz in Sachsen kümmerte.
Text: Carla Peters & Peter Leineweber
Fotos: Tom Illgner, Carla Peters & Peter Leineweber
