Präzision in der Luft, Teamgeist am Boden: 32. Offene DM im Rallyeflug erfolgreich beendet

Mit drei anspruchsvollen Wertungsflügen, präzisen Landungen und der starken Leistung des gesamten Organisationsteams ist die 32. Offene Deutsche Meisterschaft im Rallyeflug am Verkehrslandeplatz Zwickau zu Ende gegangen. Trotz einer Wetterlage, die bis zuletzt eine gewisse Flexibilität erforderte, bot der Wettbewerb sportlich hochwertige Aufgaben und erwies sich zugleich als gelungene Generalprobe für die 4. FAI World Air Navigation Race Championship, die 2027 am selben Ort stattfinden soll.

Drei Strecken und viele navigatorische Herausforderungen

Nach einer Trainingsstrecke zum Kennenlernen der örtlichen Abläufe gingen die Crews auf drei Wertungsrouten an den Start. Die zwischen 83 und 95 nautischen Meilen langen Strecken führten nach Norden, Süden und Westen und verlangten den Besatzungen sowohl bei der Vorbereitung als auch in der Luft einiges ab.

Landschaftlich stach besonders die Südstrecke am ersten Wettbewerbstag hervor. Sie führte über die ausgedehnten Waldgebiete des Erzgebirges bis kurz vor die tschechische Grenze. Fliegerisch präsentierten sich alle Routen auf einem hohen Niveau: anspruchsvoll und abwechslungsreich, zugleich aber ausgewogen und sicher fliegbar. Neben der sekundengenauen Navigation mussten Wendepunkt- und Streckenbilder erkannt, Bodenzeichen gefunden und die vorgegebenen Kurslinien möglichst exakt eingehalten werden.

Auch das Verfahren vor dem Start wurde weiterentwickelt. Die auf FAI-Ebene im Rallyeflug bereits eingeführte zusätzliche Rollzeit ergänzte die drei Minuten Konstruktionszeit je Wendepunkt. Das System bewährte sich in Zwickau: Die Crews konnten konzentriert an ihren Aufgaben arbeiten und anschließend ohne unnötigen Zeitdruck zum Start rollen. Damit brachte die Regelung eine gute Mischung aus sportlichem Anspruch und zusätzlicher Sicherheit in den Wettbewerb.

Besondere Unterstützung erhielten die Crews der Newcomer-Kategorie. Hauptschiedsrichter Klaus Heege stand ihnen bei Fragen zur Streckenkonstruktion beratend zur Seite und erleichterte damit den Einstieg in die komplexen Abläufe des Rallyeflugs.

Wie viel Arbeit bereits lange vor dem ersten Wettbewerbsstart in den Aufgaben steckte, zeigte der Einsatz von Wettbewerbsleiter Henry Franzkowiak. Die Streckenfotos entstanden bereits im Frühjahr – bei rund sechs Grad Außentemperatur und teilweise geöffneter Flugzeugtür. Der Aufwand zahlte sich aus: Die Bilder waren klar, abwechslungsreich und bildeten die Grundlage für sportlich hochwertige Beobachtungsaufgaben.

Alles im Griff: Wettbewerbsleiter Henry Franzkowiak (links) und Hauptschiedsrichter Klaus Heege sorgten jederzeit für Sicherheit und eine klare Struktur…
… auch wenn das Wetter am ein oder anderen Tag ein paar Überraschungen für die Teilnehmenden am Wettbewerb offenhielt.

Start auf der Motorflugbahn, Präzisionslandung auf der Segelflugbahn

Der Flugplatz Zwickau bot ideale Voraussetzungen für die parallelen Anforderungen des Wettbewerbs. Gestartet wurde auf der hervorragend vorbereiteten Motorfluggrasbahn. Nach dem Überflug des Finish-Punktes reihten sich die Crews wieder in die Platzrunde ein und beendeten ihre Wertungsflüge mit einer Präzisionslandung auf der südlich gelegenen Segelflugbahn.

Nicht nur eine, sondern zwei schöne Graspisten hält der Flugplatz in Zwickau bereit.

Als Landeschiedsrichter brachte Ralf-Rainer Schmalstieg seine umfangreiche Erfahrung ein. Obwohl für ihn selbst die Vorbereitung auf die bevorstehende World Precision Flying Championship in Polen anstand, verzichtete er auf eine Teilnahme und unterstützte gemeinsam mit Mitgliedern des Aero-Clubs Zwickau das Organisationsteam bei der Durchführung und Bewertung der Ziellandungen.

Marcus und Astrid Ciesielski gewinnen in Zwickau

Sportlich entwickelte sich an der Spitze ein enger Wettbewerb. Marcus und Astrid Ciesielski setzten sich mit insgesamt 508 Strafpunkten in der Unlimited-Kategorie durch. Auf Rang zwei folgten Wolfgang Schneckenreither und Cornelia Marsch mit 557 Punkten. Oliver Meindl und Marco Frenzel komplettierten das Podium mit 591 Punkten. Zwischen dem ersten und dem dritten Platz lagen damit lediglich 83 Strafpunkte.

In der Advanced-Kategorie belegten Jörg und Victoria Schönfels mit 2.022 Punkten den ersten Rang vor der geförderten Jugendcrew Carla Peters und Peter Leineweber, die den Wettbewerb mit 3.233 Punkten abschlossen. Die Newcomer-Wertung entschieden Leon Steiger und Tim Ackermann mit 5.027 Punkten für sich. Steffen Hladik und Siegmar Krahl folgten mit 6.578 Punkten auf dem zweiten Platz.

Die Teilnehmenden der Newcomer-Kategorie
Die Teilnehmenden der Advanced-Kategorie
Die Teilnehmenden der Unlimited-Kategorie

Auch in der separaten Landewertung lagen Marcus und Astrid Ciesielski mit ihrer C172 vorn. Mit lediglich 80 Strafpunkten aus drei Präzisionslandungen verwiesen sie Robert Deppe und Carla Moses mit 140 Punkten sowie Oliver Meindl und Marco Frenzel mit 180 Punkten auf die weiteren Plätze. In den weiteren Sonderkategorien durften sich Dörthe Grubek und Alexandra Kirchner als beste Damencrew und Carla Peters und Peter Leineweber als beste Jugendcrew küren lassen. Wer genauer wissen möchte, wie es der Jugend erging, kann dies in ihrem ausführlichen Bericht nachlesen.

Der MDR ermöglichte einen besonderen Einblick in die Perspektive der Neueinsteiger. Ein Team des Sachsenspiegels begleitete Steffen und Siegmar während eines Wettbewerbstags. Der daraus entstandene Fernsehbeitrag zeigte nicht nur die navigatorischen und fliegerischen Herausforderungen, sondern auch die Begeisterung und den Spaß, mit denen die beiden Rallyeflug-Einsteiger an ihre Aufgaben herangingen.

Schnelle Auswertungen und kurze Wege

Dass die vorläufigen Resultate meist bereits feststanden, bevor die Crews nach ihren Flügen alle Nachbereitungen abgeschlossen hatten, war kein Zufall. Thomas Weise und Renate Strecker sorgten für eine ausgesprochen zügige Auswertung der Loggerdaten, der Lösungsbögen und der Beobachtungsaufgaben. An der Tankstelle nahmen Jürgen Leukefeld und Renate Heege die Aufgabenumschläge und Logger entgegen und stellten damit einen reibungslosen Übergang zwischen Flugbetrieb, Tanken und Auswertung sicher.

Für die fotografische Dokumentation war erneut Tom Illgner im Einsatz. Während des gesamten Wettbewerbs hielt er Vorbereitung, Starts, Landungen, Crews und zahlreiche Momente am Boden fest. So entstand nicht nur eine umfangreiche Erinnerung an die Deutsche Meisterschaft, sondern zugleich ein wertvoller fotografischer Grundstock für die Weltmeisterschaft 2027.

Vorbereitung am Boden ist vielschichtig: vom Fliegerputzen…
… zur Motorkontrolle…
… bis hin zur Durchsprache des Flugs.

Auch abseits des sportlichen Geschehens fehlte es den Teilnehmenden an nichts. Der Aero-Club Zwickau sorgte während der gesamten Veranstaltung in Eigenregie für Essen, Kaffee und Getränke. Neben frisch gegrillten Burgern nach den Wettbewerbsflügen stand auch nach der Preisvergabe ein deftiges Abendbuffet bereit. Viele Crews mussten allerdings bereits frühzeitig wegen einer heranziehenden Schlechtwetterfront den Heimflug antreten und konnten am gemeinsamen Abendausklang nicht mehr teilnehmen.

Großer Dank an den Aero-Club Zwickau

Der Erfolg der Meisterschaft war vor allem das Ergebnis einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen der Wettbewerbsorganisation und dem Aero-Club Zwickau. Der Verein bewies erneut, dass er mit seinem Flugplatz, seiner Infrastruktur und insbesondere seinen engagierten Mitgliedern hervorragende Voraussetzungen für große Luftsportveranstaltungen bietet.

Ein ganz besonderer Dank gilt dem ersten Vorsitzenden Joachim Lenk. In der Vorbereitung und während der gesamten Veranstaltung stand er praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Rat und Tat zur Verfügung. Gemeinsam mit Henry Franzkowiak, Klaus Heege und den zahlreichen Helferinnen und Helfern vor Ort schuf er die Grundlage dafür, dass die Crews einen ebenso anspruchsvollen wie angenehmen Wettbewerb erleben konnten.

Großer Dank gilt Joachim Lenk (links) und den vielen fleißigen Helfenden des Aero-Clubs Zwickau.
Ohne das Engagement der Vereinsmitglieder wäre der Wettbewerb nicht möglich gewesen und hätte viele knurrende Mägen hinterlassen.

Mit der Deutschen Meisterschaft wurde nicht nur ein sehenswerter Wettbewerb auf Bundesebene ausgetragen. Zwickau hat zugleich gezeigt, dass Flugplatz, Verein, Wettbewerbsräume und Organisation für die internationale Aufgabe im kommenden Jahr bereit sind. Die wichtigste Erkenntnis nach dieser Meisterschaft lautet daher: Die Generalprobe ist gelungen – die Weltmeisterschaft 2027 kann kommen.

Text: red.
Fotos: Tom Illgner

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