Präzision auf höchstem Niveau: Deutsches Team bei der WM in Toruń

Vier deutsche Pilotinnen und Piloten stellten sich bei der 26. FAI-Weltmeisterschaft im Präzisionsflug in Toruń einer der anspruchsvollsten Disziplinen des Navigationsflugs. Auch wenn es für das deutsche Nationalteam diesmal nicht für die vorderen Plätze reichte, zeigte das Quartett bei schwierigen Aufgaben immer wieder, welches Potenzial vorhanden ist – und sammelte vor allem wertvolle Erfahrung auf internationalem Spitzenniveau.

Das deutsche Nationalteam im Navigationsflug 2026 (v.l.n.r.): Arnold Grubek, Ralf-Rainer Schmalstieg, Dörthe Grubek, Marcus Ciesielski, Henry Franzkowiak (Bundestrainer)

Vom 9. bis 14. August wurde das polnische Toruń zum Treffpunkt der weltbesten Präzisionsfliegerinnen und -flieger. 45 Crews aus zehn Nationen traten bei der 26. FAI World Precision Flying Championship gegeneinander an. Nach einer Trainingswoche folgten drei Navigationstage sowie die Präzisionslandungen, ehe am Freitagabend die neuen Weltmeister gekürt wurden.

Mit Marcus Ciesielski, Arnold Grubek, Dörthe Grubek und Ralf-Rainer Schmalstieg war auch Deutschland mit vier Crews vertreten. Dörthe Grubek nahm dabei erstmals an einer Weltmeisterschaft im Präzisionsflug teil. Eine zusätzliche Herausforderung im Wettbewerbsablauf: Da mehrere Maschinen doppelt oder sogar dreifach belegt waren, wurde in drei Gruppen geflogen. Für manche der Teilnehmenden bedeutete dies lange Aufenthalte in der Quarantäne – teilweise bis um 14 Uhr. Gleichzeitig waren die letzten Pilotinnen und Piloten noch bis kurz vor 17 Uhr auf ihren Wettbewerbsflügen unterwegs. So herrschte praktisch den ganzen Tag über Betrieb auf dem Flugplatz.

Das deutsche Nationalteam beim Einlauf der Nationen auf dem Flugplatz in Toruń
Der „Arbeitsplatz“ der Navigationsflieger und -fliegerinnen: Das Cockpit

Präzisionsflug lässt kaum Raum für Fehler

Präzisionsflug gehört zu den herausforderndsten Disziplinen des Navigationsflugs. Bereits bei der Flugvorbereitung geht es um exaktes Berechnen des rechtweisenden Steuerkurses und der Flugzeit der einzelnen Streckenabschnitte. Die Teilnehmenden sind allein im Flugzeug unterwegs und müssen ohne GPS eine zuvor exakt vorgegebene Route abfliegen. Neben dem richtigen Kurs zählt vor allem die Zeit: An unbekannten Zeitkontrollen und Wendepunkten wird überprüft, wie genau der eigene Flugplan eingehalten wurde. Gleichzeitig gilt es, vom Cockpit aus eine Vielzahl ausgelegter Bodenzeichen zu finden und Streckenbilder zu identifizieren. Hinzu kommen vier Präzisionslandungen unter unterschiedlichen Bedingungen.

Schon kleinste Abweichungen machen sich auf der Ergebnisliste bemerkbar. Eine Sekunde zu früh oder zu spät an einer Zeitkontrolle bedeutet drei Strafpunkte – und wie immer im Präzisionsflug gilt: Je weniger Punkte, desto besser. Auch das Wetter verlangte den Piloten einiges ab. Wechselnde Windverhältnisse machten die Umsetzung in der Luft anspruchsvoll. Die sportliche Organisation in Toruń funktionierte sehr gut und bot den Teilnehmern drei fordernde Navigationsaufgaben auf echtem WM-Niveau.

Ralf-Rainer Schmalstieg mit der gecharterten Cessna 150. Sonst fliegt er in seiner Piper PA-28 rund 30 kt schneller.
Arnold Grubek kommt mit der geliehenen Cessna 152 nach einem Wertungsflug zurück.

Marcus Ciesielski führt deutsches Quartett an

Bester Deutscher in der Gesamtwertung wurde Marcus Ciesielski. Mit 1.067 Strafpunkten belegte er unter den 45 Teilnehmenden den 26. Rang. Arnold Grubek folgte mit 1.772 Punkten auf Platz 35. Dörthe Grubek kam mit 2.943 Punkten auf Rang 40, Ralf-Rainer Schmalstieg belegte mit 4.262 Punkten Platz 42. In der Mannschaftswertung bedeuteten die Ergebnisse von Marcus Ciesielski, Arnold Grubek und Dörthe Grubek insgesamt 5.782 Strafpunkte und den fünften Rang für Deutschland.

Gerade bei einem genaueren Blick auf die einzelnen Wertungsbestandteile zeigten sich jedoch einige erfreuliche Leistungen. Besonders Marcus Ciesielski hielt bei der eigentlichen Zeitnavigation gut mit: Über die drei Navigationsflüge sammelte er dort lediglich 309 Strafpunkte und erreichte damit Rang 19 in der gesonderten Navigationswertung.

Auch im Verlauf der drei Routen waren Fortschritte erkennbar. Marcus Ciesielski konnte sich auf allen drei Routen konstant bei etwa 300 Strafpunkten halten. Arnold Grubek gelang nach einem schwierigen ersten Flug mit 972 Punkten eine deutliche Steigerung auf 333 Punkte in Route zwei und 342 Punkte im abschließenden Durchgang. Bei den vier Präzisionslandungen war erneut Marcus Ciesielski mit 108 Strafpunkten bester Deutscher, knapp gefolgt von Arnold Grubek mit 125 und Ralf-Rainer Schmalstieg mit 142 Punkten.

Ralf-Rainer Schmalstieg setzt an zur Landung über ein zwei Meter hohes Hindernis
Es kommt auf jeden Meter an. Marcus Ciesielski mit seiner C172

Bundestrainer Henry Franzkowiak zog entsprechend ein differenziertes, aber positives Fazit: „Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten sehr schöne Ergebnisse erzielt. Der Zusammenhalt und die Atmosphäre im Team waren gut. Uns fehlt jedoch noch etwas Kontinuität.“ Gerade diese Kontinuität ist unter den derzeitigen Bedingungen schwer aufzubauen. Anders als in einigen führenden Nationen gibt es in Deutschland derzeit keine eigenen Präzisionsflugwettbewerbe. Entsprechend begrenzt sind die Möglichkeiten, regelmäßig unter Wettbewerbsbedingungen zu trainieren. Umso höher ist es einzuschätzen, dass sich mit Marcus Ciesielski, Arnold Grubek, Dörthe Grubek und Ralf-Rainer Schmalstieg vier talentierte Pilotinnen und Piloten gefunden haben, die sich dieser Herausforderung gestellt und Deutschland bei einer Weltmeisterschaft vertreten haben.

Polen demonstriert Weltklasse

An der Spitze ließ Gastgeber Polen kaum Zweifel an seiner derzeitigen Ausnahmestellung im Präzisionsflug. Michał Bartler sicherte sich mit gerade einmal 154 Strafpunkten seinen ersten internationalen Titel. Dahinter folgten seine Teamkollegen Kamil Wieczorek und Marcin Chrząszcz mit jeweils 214 Punkten. Damit gingen sämtliche Medaillen der Einzelwertung an Polen. Auch die Mannschaftswertung gewann das Gastgeberteam mit 582 Punkten deutlich vor Tschechien mit 1.281 und Frankreich mit 1.403 Punkten.
Wie außergewöhnlich das Niveau an der Spitze war, zeigt insbesondere die reine Navigationswertung. Kamil Wieczorek sammelte bei der Zeitnavigation über alle drei Flüge lediglich 75 Strafpunkte, Weltmeister Michał Bartler 87 und Michał Wieczorek 96. Damit blieben gleich drei polnische Piloten über die gesamte Weltmeisterschaft hinweg unter 100 Strafpunkten – allein aufgrund zeitlicher Abweichungen.

Michał Bartler ist neuer Weltmeister im Präzisionsflug

Bundestrainer Franzkowiak zeigte sich von dieser Leistung beeindruckt: „Wenn man bei so vielen bekannten und unbekannten Zeitkontrollen schafft, insgesamt auf drei Routen unter 100 Strafpunkten zu bleiben, dann ist das einfach Weltklasse.“

Was das konkret bedeutet, verdeutlicht Bartlers Ergebnis besonders eindrucksvoll: Bei drei Strafpunkten pro Sekunde entsprechen seine 87 Navigations-Strafpunkte über sämtliche drei Routen zusammengerechnet nicht einmal 30 Sekunden zeitlicher Abweichung. Und das bei unbekannten Kontrollen, wechselnden Windbedingungen und parallel dazu Kurs und Bodenmerkmale exakt im Blick zu behalten.

Bartler überzeugte zudem bei den Präzisionslandungen. Nach fünf Strafpunkten im ersten Durchgang setzte er das Flugzeug bei den drei folgenden Landungen jeweils exakt auf die Nulllinie – insgesamt standen damit gerade einmal fünf Landestrafpunkte zu Buche.

Erfahrung sammeln – und den Blick nach vorne richten

Für das deutsche Team endet die Weltmeisterschaft damit zwar ohne Spitzenplatzierung, keineswegs jedoch ohne positive Erkenntnisse. Vier deutsche Pilotinnen und Piloten haben sich einer Disziplin gestellt, in der hierzulande derzeit kaum Wettkampfpraxis möglich ist. Sie haben sich mit der internationalen Spitze gemessen, schwierige Aufgaben bewältigt und dabei insbesondere in einzelnen Navigationsflügen und Wertungsteilen gezeigt, dass die Basis für eine weitere Entwicklung vorhanden ist.

Einen symbolischen Blick in die Zukunft des höchstpräzisen Fliegens gab es schließlich ganz am Ende der Siegerehrung. Die FAI-Fahne wurde von Polen an Deutschland und die Schweiz weitergereicht. Henry Franzkowiak und Esther Riemensberger nahmen sie stellvertretend für beide Nationen entgegen. 2027 werden Deutschland und die Schweiz gemeinsam die Weltmeisterschaft im Air Navigation Race in Zwickau ausrichten – und damit schon im kommenden Jahr selbst Gastgeber der internationalen Navigationsflug-Community sein.

Das deutsche Nationalteam in ihren weißen Poloshirts
Marcus Ciesielski bei der Streckenvorbereitung

Ein herzliches Dankeschön gilt außerdem den Unterstützern unseres Nationalteams: Rogers Data stellte einen Satz VFR-Karten für die deutschen Teilnehmer zur Verfügung. Textilwerk Konstanz stellte dem Team die weißen Nationalteampolo-Shirts her.

So bleibt von Toruń mehr als nur eine Ergebnisliste. Es bleiben die Erfahrung aus drei anspruchsvollen WM-Routen, der Vergleich mit der absoluten Weltspitze und vor allem ein deutsches Team, das sich trotz begrenzter Trainingsmöglichkeiten der Herausforderung gestellt hat. Darauf lässt sich aufbauen.

Text: red.
Fotos: Agata Dominguez/FAI, Tom Illgner (Titelbild), Henry Franzkowiak

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